Reutlinger Mutschel

Kein offizieller Veranstalter organisiert ihn, er steht in keinem normalen Kalender und doch fällt er nie aus: Der Mutscheltag. Doch wo kommt er her, dieser lebendige Brauch und das Gebäck, um das es sich dreht?

Während der Mutscheltag einzigartig ist, kommt der Begriff „die Mutschel“ im deutschsprachigen Raum häufig vor. Sie bezeichnet immer eine Art Weißbrot, unterschiedlich geformt. In der bis 1802 von den Zünften dominierten Reichsstadt Reutlingen spielte das Gebäck vor allem zur Zeit der Wahlen eine Rolle – als Geschenk an die Kinder. Auch die Form verweist auf diese Zeit: Sie erinnert an das Mühlrad, das etwa auf der Fahne der Müllerszunft zu finden ist. Die zweite Spur führt zur Schützentradition Reutlingens, denn dass um die Mutschel geschossen wurde, ist bis ins 18. Jahrhundert belegt. Einer dieser Wettbewerbe begann immer am Donnerstag nach den Heiligen Drei Königen.

Als Reutlingen den Status der Reichsstadt verlor, das Schießen untersagt war und die Wahlen wegfielen, wurde das Würfeln – ebenfalls eine Tradition der Schützen – zu einer neuen Form der Geselligkeit. 1848 wird der Donnerstag nach Dreikönig schließlich erstmals als Mutscheltag erwähnt: Statt zum Schießen luden die Bäcker zum „Mutscheln“ ein.

Heute begegnet man dem Backwerk in Reutlingen nicht nur in seiner essbaren Form. Die Mutschel ziert das Wappen und den Zunftbrunnen; es gibt sie als Seife und als Maskottchen. Zum Probieren bekommt man sie traditionell, aber auch mit Pudding gefüllt oder als Praline. So oder so: sie ist ein echtes und einzigartiges Stück Reutlingen.

Alle Informationen zur Reutlinger Mutschel und dem Mutscheltag können in unserem Flyer.pdf nachgelesen werden.

Und wer Lust hat, die Spiele mit den besonderen Namen wie „Bauernfenster“, „Der Wächter bläst vom Turm“, „Nackets Luisle“ oder „Langer Entenschiss“ mit der Familie und/oder Freunden auszuprobieren, findet das Mutschel-Würfelset mit den Spielanleitungen in unserem Online-Shop oder in der Tourist Information am Marktplatz.